Mit der biologischen Aufbaukur ist eine weitere Therapiemöglichkeit der WGfBL entwickelt worden, um speziell bei muskulärer Schwäche (auch Herzmuskelschwäche) und bei nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit, insbesondere dann, wenn ein nutritiver Defizit an verzweigtkettigen Aminosäuren vorliegt oder bei verstärktem Anfall von Ammoniak und Hinweisen einer beginnenden hepatischen Enzephalopathie.

Die Indikationen der biologischen Aufbaukur sind:
  • erhöhter Energiebedarf
    z.B. bei Sportlern, bei starker beruflicher Belastung und vor einem Aktiv-Urlaub
  • Auftreten uncharakteristischer Symptome
    wie Schlappheit, zunehmende Müdigkeit, körperliche Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche
  • Störungen des Eiweißhaushaltes
    z.B. durch Fehlernährung, wie z.B. reiner vegetarischer Kost oder bei häufiger Fast-Food-Ernährung
  • körperlicher Leistungsdefizit
    z.B. nach längerer Krankheit mit Bettlägerigkeit (fieberhafte lnfekte), nach körperlichem Zusammenbruch, bei drohendem Pflegefall aufgrund von Muskelschwäche oder Muskelatrophie und nach Sportverletzungen.

Die Kur setzt sich aus drei Therapieschritten zusammen, die alle täglich dem Patienten verabreicht werden.

  1. Der Patient erhält einen hochdosierten "Cocktail" aus verzweigtkettigen Aminosäuren, gemischt mit einem Lactulosepräparat.
    Ziel der Therapie mit verzweigtkettigen Aminosäuren ist die Beseitigung der Aminosäuren-Imbalanz.  Bei vorliegenden positiven Ergebnissen kontrollierter Studien durch parenterale und orale Zufuhr, beruhen diese Effekte auf Änderungen des Stoffwechsels in der Muskulatur, in der Leber und im Gehirn.

    Katabole Zustände sind gekennzeichnet durch einen verstärkten Muskelabbau. Gründe hierfür sind z.B. exzessiver Sport, Alter, Krankheiten verschiedener Genese und Fehlernährung.  Durch die Gabe von verzweigtkettigen Aminosäuren, das sind Valin, Leucin und Isoleucin, wird die Stickstoffbilanz positiv beeinflußt.  Die Muskulatur kann so vermehrt Ammoniak aufnehmen und in entgifteter Form das Glutamin abgeben. Wir haben es hierbei mit einer anabolen Stoffwechselsituation zu tun. Die anabole Wirkung verzweigtkettiger Aminosäuren ließ sich nicht nur für die Skelettmuskulatur nachweisen, sondern auch für die Herzmuskulatur. Gleichzeitig unterdrücken verzweigtkettige Aminosäuren die Proteolyse im Körpergewebe.

    In der Leber wird Ammoniak über Harnstoffzyklus entgiftet. Wie Studien eindeutig nachgewiesen haben, können verzweigtkettige Aminosäuren die Konzentration von Ornithin und N-Acetyl-Glutamat in den Mitochondrien erhöhen und so die Harnstoffsynthese stimulieren.

    Auch das Gehirn kann verzweigtkettige Aminosäuren aufnehmen und metabolisieren.  Vor allem in den Astrozyten werden sie, unter Bildung von Glutamat transaminiert. Glutamat wiederum bindet Ammoniak zur Synthese von Glutamin, das entweder im Austausch gegen Aminosäuren ins Blut gelangt oder in Neurone übertritt und dort zum Neurotransmitter GABA metabolisiert wird.

  2. Anschließend bekommt der Patient ein Vitamin-B-Komplex injiziert, den die meisten Ärzte in den letzten Jahren bereits als Vitamin-B-Aufbauspritze kennen und schätzen gelernt haben und diese ihren Patienten verabreicht haben.

  3. Danach wird dem Patient für die Dauer von ein bis eineinhalb Stunden eine Kochsalzlösung infundiert, in der neben dem Hauptsubstrat L-Ornithin-L-Aspartat auch Vitamin C, Kalzium und Zink enthalten ist.

    L-Ornithin-L-Aspartat wirkt:
    a)
    Über eine Steigerung und Energiebalance durch vermehrten      Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten      (Verbesserung der ATP-Bilanz).
    b)  
    Durch anabole, bzw. antikatabole Wirkung auf die Skelett- und       Herzmuskulatur.
    c)  
    Stimulierend auf die Ammoniak-Entgiftung im Gewebe.

    Speziell in der Leber stimuliert es die Entgiftungsleistung in den periportalen Hepatozyten durch Triggerung des Harnstoffzyklus und in den perivenösen Hepatozyten werden Aspartat und Dicarboxylate aufgenommen und zur Synthese von Glutamin verwendet. Glutamin stellt eine atoxische Transportform für Ammoniak dar und aktiviert wiederum den Harnstoffzyklus.

    Außerdem bewirkt Orithin-Aspartat eine verstärkte Aufnahme von Aminosäuren in den Muskeln und steuert so einem Muskelabbau entgegen.

Diese drei Therapieschritte werden an fünf bis sieben aufeinanderfolgenden Tagen gemeinsam durchgeführt. In den meisten Fällen fühlt sich der Patient ab dem dritten bis fünften Tag wesentlich besser.

Nach jeder Behandlung empfehlen wir dem Patienten eine sportliche Aktivität, die dem körperlichen Zustand, dem Alter und seiner Leistungsfähigkeit entsprechend angepaßt sein sollte. Während der gesamten Zeit sollte der Patient keinen Alkohol trinken, nach Möglichkeit keine hepatoxischen Substanzen einnehmen, sowie übermäßigen Fleischkonsum und übermäßigen Fettkonsum meiden.

Die biologische Aufbaukur stellt eine preisgünstigere Therapiemöglichkeit des Aktiv-Programms, bzw. Sauerstoff-
Aktiv-Programms dar und wird bei ganz speziellen Indikationen, wie eingangs erwähnt, erfolgreich eingesetzt werden.

Die tägliche Einnahme von Vitalstoffen (Orthonorm) für mindestens 12 Monate ist unerlässlich für den Kurerfolg.

Viel Erfolg wünscht Ihr Praxisteam Dr. Egle